Was ist Historisches fechten?


Als „Historisches Fechten“ wird die Wiederbelebung der europäischen Kampfkünste bezeichnet, deren Tradition unterbrochen wurde.

Ursprünglich wurde unter Fechten nicht nur der Umgang mit Waffen (wie dem Dolch, dem Messer/Säbel, dem Schwert, dem Speer, etc.) bezeichnet, sondern jeglicher Zugang zum Kampf, inklusive Ringen, Boxen und Treten. Zusätzlich gab es schon in der damaligen Zeit die Unterscheidung vom Fechten „zu Ernst“ (für den Ernstfall) und „zu Schimpf“ (zur Ehrenrettung und/oder Streit). Daraus ergeben sich selbst in den Überlieferungen wichtige Unterschiede für die Rekonstruktion.

Als Grundlage für die Rekonstruktion dienen die noch erhaltenen Fechtbücher, die in diversen Museen verwahrt werden. Es handelt sich hierbei um Handschriften und Drucke in denen Anleitungen, Zusammenstellungen oder Notizen zum Fechten überliefert sind. Die Fechtbücher der letzten 700 Jahre bestehen aus Werken, die einerseits nur Text beinhalten, genauso wie reine Bilderhandschriften und Kompendien die beides vereinigen. Das Interpretieren dieser Werke erweist sich manchmal sehr schwierig. Beginnend beim Transkribieren der altertümlichen Schriften bis hin zum Verstehen mundartlicher Texte, welche ohne Beachtung von Rechtschreibregeln verfasst wurden und Auslassungen, Verwechslungen sowie Ungenauigkeiten von Begriffen beinhalten. Daher ist es in vielen Fällen nicht möglich eine eindeutige Interpretation der Werke zu erlangen.

Daher ist es unerlässlich die Rekonstruktionen zu analysieren, in langsamen Übungen zu trainieren und schließlich im Freikampf zu testen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Techniken mit der richtigen Intention durchgeführt werden, es jedoch nicht zu Verletzungen kommt. Dafür ist es notwendig, entsprechende Schutzausrüstung (ähnlich wie im modernen Sportfechten) zu tragen. Denn nur anwendbare Bewegungsabläufe und Techniken die auch im Freikampf funktionieren, können dieser „Kunst des Fechtens“ gerecht werden. Nicht umsonst fasst einer der frühesten (überlieferten) Fechtmeister die Einstellung zum ständigen Üben folgendermaßen zusammen:

Kunst taugt nichts ohne Übung, aber Übung taugt wohl ohne Kunst.

Johannes Liechtenauer (vermutlich 1389)